#Werbung Alles so leicht von Meg Haston

Facts:
Autorin: Meg Haston
Verlag:   Carlsen
Format:  eBook / Print / Hardcover
Preis:      15,99€ / 7,99€ /19,99€
Seiten:    320

Cover:
Schlicht, aber wundervoll und sehr passend zur Geschichte.

Meinung:
“Die größten Menschen sind diejenigen, die anderen Hoffnung geben können.” von Jean Jaurès.

Ein wirklich passendes Zitat für diese Geschichte gibt es nicht, aber die Worte von Jean Jaurès sind für mich dennoch treffend. Denn ohne diese Menschen, ohne Personen, die dir, egal auf welchem Weg, Hoffnung schenken und das Licht am Ende des dunklen Tunnels zeigen, ist es schwer den Kampf zu gewinnen.

Den Kampf gegen die Sucht, gegen die eigenen Gedanken, gegen die Dunkelheit und den Schmerz, die versuchen dich einzuhüllen. Den Kampf sich nicht fallen zu lassen und in die tiefsten Schwärzen hinab zu gleiten, sondern das Licht, das rettende Ufer zu erblicken und zu entkommen. Einen steilen schweren Pfad zu erklimmen, der niemals enden, aber irgendwann leichter zu bewerkstelligen sein wird….

Meg Haston gelang es mich mit ihrem ehrlichen, direkten, aber dennoch irgendwie sanftem Schreibstil gefangen zu nehmen. Mich in das Leben einer jungen Frau zu entführen, dass soviel Leid und Schmerz ertragen musste, dass es mir bereits beim Lesen das Herz brach. Von dem Menschen im Stich gelassen, der ihr Halt und ihre Schutzschild sein sollte, wiegt ihre Enttäuschung so groß, dass sie einen ganz eigenen Weg wählt um damit umzugehen. Ein Weg, der sie nur noch tiefer in den Sumpf der Gefühle führen sollte. Ein Weg, deren Konsequenzen sie nicht vorhersehen konnte und der ein Opfer fordert, dass Stevie zerstören könnte.

“Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.” von Jean de La Fontaine.

So auch Stevie, denn als ihr Vater die Notbremse zieht, könnte dass das Licht sein, das sie braucht um aus der Dunkelheit zu fliehen. Der Anker, der sie am Leben hält. Das rettende Ufer, an dem sie sich festklammern könnte, wen sie will…

Sehr einfühlsam und dennoch schonungslos ehrlich konfrontiert Meg Haston den Leser mit dem Alltag einer unter Essstörungen leidenden  jungen Frau. Immer wieder hat man das Gefühl an seine Schmerzgrenze gebracht zu werden. Man liest nicht nur, sondern lebt diese Geschichte gemeinsam mit der Protagonistin. Durch die gewählte “Ich Perspektive” bekommt man alles wie auf dem bekannten Silbertablett präsentiert. Man lernt Stevie nicht nur oberflächlich kennen, sondern taucht in die Tiefen ihrer Gedanken und Gefühle ab. Eine emotionale Achterbahnfahrt beginnt bereits mit den ersten Worten und dennoch gelingt es der Autorin einige Geheimnisse zu wahren. Es ist in meinen Augen eine Meisterleistung, den Leser alle Empfindungen direkt spüren zu lassen und dennoch Gründe, sowie Ursachen zu verschleiern und diese erst viel weiter hinten im Buch zu offenbaren. Die Geschichte ging mir nicht nur unter die Haut, sondern entfesselte ein Sturm der Gefühlem sowie Gedanken in meinem Innersten. Aber dennoch schenkt die Autorin einem immer mal wieder ein wenig Raum. Ein kurzen Platz zum Durchatmen und Luft holen. Einen kleinen Moment Pause um ein bisschen Kraft zu schöpfen – auch für Stevie. Doch wohin soll die Reise unserer Protagonistin gehen?

In meinen Augen gelingt es der Autorin ihrer Geschichte ein hohes Maß an Realismus einzuhauchen. Zumindest aus meiner “Laiensicht” fühlt es sich so an, als könnte eine Therapie genau in dieser Art und Weise ablaufen. Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen, die ohne großes Tamtam oder besonders “Action”ausbrüche auskommt und genau diese schlichte Eleganz wirkt. Zumindest bei mir. Dazu nutzt die Autorin sehr geschickt das Hier und Jetzt, sowie die Therapie Ansätze um uns, gemeinsam mit der Therapeutin, einen Einblick in Stevies Vergangenheit zu geben. Diese beiden Settings verwebt Meg Haston perfekt zu einer Geschichte, so dass man ohne Probleme die einzelnen losen Fäden zu einem roten dicken Tau zusammenfügen kann. Stark miteinander verwebt fühlt es sich so an, als lege eben dieses Tau fest um Stevie gebunden ohne Aussicht darauf die junge Frau jemals wieder freizugeben. Doch es gibt Menschen um sie herum, die sich dieser Aufgabe stellen. Die versuchen sie zu befreien um ihr die Chance auf eine Zukunft zu ermöglichen.

Besonders Anna, Stevies Therapeutin, konnte mich hier beeindrucken. Denn in manchen Situationen verhielt sie sich ganz anders, als ich es je erwartet hätte und dennoch fühlte es sich richtig an. Für mich, genauso wie für Stevie, auch wenn diese es nicht wahrhaben will. Außerdem konnte Meg Haston mit der Vergangenheit von Anna genau meine Gedanken bestätigen. Denn diese hat die Therapeutin geprägt und ich glaube genau aus diesem Grund könnte sie es schaffen zu Stevie durchzudringen….

Auch alle anderen Charaktere wirken wie aus dem Leben gegriffen. Ihre Probleme, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen, ihre Erlebnisse. Die Autorin zeigt ganz deutlich egal ob arm oder reich. Egal ob dick oder dünn und egal unter welcher Krankheit wir leiden, im Prinzip sind wir alle gleich. Wir sitzen alle im selben Boot und kämpfen ums überleben. Tag für Tag.

“Alles so leicht” ist eine Geschichte über das Leben, Verluste, Schmerzen und Freundschaft. Über die guten, sowie schlechten Zeiten. Über das Licht und die Dunkelheit. Über das Aufgeben und die Hoffnung. Was am Ende gewinnt, entscheidest alleine du, aber vergiss nie: Es gibt Menschen da draußen, die bereit sind dir zu helfen. Die bedingungslos an deiner Seite stehen und gemeinsam mit dir kämpfen, doch du entscheidest ob du dich diesem Kampf stellst…

Mein Fazit:
“Ich will dass du sauer wirst, wenn du sauer werden sollst und traurig, wenn du traurig werden musst. Ich will, dass du gesund wirst, Stevie.” (Aus Alles so leicht von Meg Haston, Carlsen Verlag)
Das Zitat, das auf dem Klappentext prangert ist perfekt. Denn es beschreibt “Alles so leicht” in diesen wenigen Worten. Es ist eine Geschichte, die einen berührt, zum Nach- und Mitdenken anregt. Ein Buch, das unter die Haut geht und das mit schlichter Eleganz besticht. Ein Meisterwerk einer “Überlebenden”.

Eine klare Leseempfehlung für alldiejenigen, die es nicht scheuen der Realität in die Augen zu blicken und sich diesem Thema zu stellen.


(Coverrechte liegen beim Carlsen Verlag)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.