#Werbung Underground Love von K.A. McKeagney – ein echter Untergrund…

… denn soweit ich mich erinnern kann, habe ich noch nichts gelesen, was mich so enttäuscht und desillusioniert hat, wie diese Geschichte.

“Es ist gefährlich, anderen etwas vorzumachen, denn es endet damit, dass man sich selbst etwas vor macht.” von Eleonora Duse.

Aber was ist, wenn du in diesem Teufelskreis feststeckst? Keinen Ausweg mehr siehst und immer wieder diesen “Kick” brauchst? Immer aufs Neue in eine Rolle schlüpfst, um deinem langweiligen Alltag zu entfliehen? Wirst du es überleben oder daran kaputt gehen?

Eigentlich eine interessante Basis und Grundidee, die viel Lesespaß verspricht. Dachte ich, doch dann kam Polly, denn ich begann zu lesen.

Kennt ihr das Problem mit Schuhen, die nicht passen?
Sind sie zu groß, rutscht man ständig aus ihnen raus. Sind sie zu klein, drücken sie und im dümmsten Fall hat man Blasen, die einem wochenlang nach dem Tragen noch weh tun.

Wieso dieser Vergleich? Es ist das beste Bild, dass meine Gedanken und Gefühle im Bezug auf das Gesamtpaket von “Underground Love” beschreibt. Es wirkte so, als hätte sich die Autorin Schuhe, in Form einer tollen Idee ausgesucht, aber nicht geschaut, ob diese wirklich passen. K.A. McKeagney schmeißt viele Dinge in einen Raum, versucht sie zu arrangieren, aber schafft es für mich nicht, diesen einen roten Faden zu legen. Der, der einen durch die Geschichte führt und bei der Stange hält. Ob ein Buch das braucht oder nicht, muss natürlich jeder Leser für sich entscheiden. Mir fehlte er einfach.

Aber leider war das nicht alles, denn mein Verhältnis zu Polly, der Protagonistin, war von Anfang an schwierig. Nicht nur, dass ich ihr Handeln zu keiner Zeit im Herzen, bzw. auf der Gefühlsebene nachempfinden oder nachvollziehen konnte, so war es mir meist auch gedanklich nicht möglich, ihr zu folgen. Von der nicht vorhanden Sympathie will ich hier gar nicht erst anfangen zu sprechen. Zu Beginn dachte ich, dass sich schon eine gewisse Verbindung zu unserer Protagonistin aufbauen ließ. Immerhin war fast jeder schon mal in einer Situation in der er irgendwie mit sich und dem Leben nicht mehr zufrieden war. Doch im Laufe der Geschichte hatte ich immer mehr das Gefühl Polly zu verlieren. Sie entglitt mir, soweit möglich, immer weiter und gefühlt auch allen anderen Charakteren, die eventuell noch einen Einfluss auf sie hätten haben können. Sie wirkt wie ein unreifes Kind, die macht was ihr in den Kopf kommt, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Dickköpfig und bockig sind noch nette Ausdrücke für ihr Verhalten. Außerdem war sie anstrengend, denn es ist wirklich nervtötend, wenn diejenige, die den Bockmist verzapft, dann auch noch am laufenden Band ihre Gegenüber dafür in den Senkel stellt. Nein Danke, das brauche ich nicht.

Nüchtern betrachtet, hätte ich aber vielleicht über diese Unsympathie noch hinwegsehen können, wenn es die Autorin geschafft hätte, den, in meinen Augen, wichtigen Themen, die notwendige Gewichtung zu zuschreiben. Zum Einen ist es für mich ein No Go eine Essstörung in irgendeiner Form in eine Story einzuflechten und diese nur am Rande mitlaufen zu lassen. Direkt zu Beginn merkt man, dass hier was nicht stimmt und besonders in der heutigen Zeit mit all den Size Zero Models ist es umso wichtiger, dem Leser klar aufzuzeigen, was gesundheitlich problematisch und was okay ist. Das i-Tüpfelchen hier ist, dass es alle Leute in der näheren Umgebung von Polly bemerken, aber keiner auch nur einen Ton sagt. Ich habe mich so oft gefragt, wieso? Aber eine wirkliche Begründung wurde mir leider nicht geliefert.

Eine der Aussagen, bei der ich K.A. McKeagney grundsätzlich recht gebe, ist die Botschaft, dass es okay ist, Spaß zu haben und sein Leben zu leben. Ja, das sehe ich auch so, aber bitte mit geregelten Verhältnissen und dem notwendigen Schutz. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin keiner der Leser, der bei jeder sexuellen Handlung lesen muss, wie das Kondom übergezogen wird, aber irgendein Hinweis darauf erachte ich als wichtig. Besonders wenn es sich um unverbindlichen Sex mit Unbekannten handelt. Was ich allerdings nicht tolerieren kann und auch nicht will, ist eine Vergewaltigung, die dem Leser einfach so hingeworfen wird, ohne näher darauf einzugehen. Das ist mir zu wenig und auch in meinen Augen nicht sauber gelöst. Ein weiterer Aspekt, der mir sehr sauer aufgestoßen ist, ist der, dass anscheinend Mord als Lösungsweg angesehen wird, ohne dass sich hieraus für den jeweiligen Charakter eine wirkliche Konsequenz ergibt. All diese Dinge sind einzeln für mich schon No Go’s, aber gesammelt wiegen sie sehr schwer.

Dazu kommt, dass es die Autorin in meinen Augen nicht geschafft hat ein gesundes Maß an zwischenmenschlichen Beziehung glaubhaft und intensiv in ihre Geschichte einzuflechten, um ihrer Story nicht nur ein wenig Tiefe zu geben, sondern auch den Leser dazu zu animieren mitzufühlen und mitzufiebern. Alles wirkt auf mich farblos und blass. Weder Polly, noch die Nebencharaktere weisen eine wirkliche Substanz auf, sodass es mir gar nicht möglich war, zu irgendjemanden eine tiefere Bindung aufzubauen. Nicht einmal die Erotikszenen haben es geschafft, in mir eine sinnliche Regung auszulösen. Sie wirken plump und waren für mich nicht sehr ansprechend wiedergegeben. Ich habe hier keine langen romantischen Sexszenen erwartet, aber ein bisschen mehr Gefühl oder Prickeln hätte es schon sein dürfen, wenn schon sonst wenig Emotionen transportiert werden.

Das Ganze hätte ich dann unterm Strich, eventuell und mit ganz viel Augen zudrücken verschmerzen können, wenn es der Autorin wenigstens am Ende gelungen wäre, eine tiefer gehende Botschaft in Ihre Geschichte einzubauen. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob ein Buch immer lehrreich sein? Definitiv nein. Denn wir lesen Bücher zur Entspannung, zur Unterhaltung und so weiter. Aber wenn der Inhalt eines Buches sich um Themen dreht, die durchaus sehr Ernst zu nehmen sind, dann bin ich davon überzeugt, dass es notwendig ist, auch eine gewisse Stellung zu beziehen und selbst wenn man diese in einer Geschichte etwas “verherrlicht” oder “verunglimpflicht” darstelle zumindest im Nachhinein die Sache “gerade zu ziehen” und aufzuzeigen, dass dies eben NICHT der richtige Weg ist.

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass in dieser Geschichte für mich nur eins vermittelt wird: Spaß ist erlaubt und wichtig. Es ist okay, dafür zu lügen und zu betrügen. Es ist okay, dabei die Gesundheit und das Leben aufs Spiel zu setzen. Es ist okay andere Leute zu verletzten, denn das alles ist normal. Zumindest sind das die Botschaften, die bei mir angekommen sind. Und obwohl K.A. McKeagney in ihrer verdrehten Weise am Ende aufzeigt, dass alles Handeln Konsequenzen hat, konnte sie mich mit dieser Art von Ende nicht versöhnlich stimmen, denn auch hier bleibt ein fader Beigeschmack zwischen meinen Lippen kleben, der auch nach Beendigung des Buches nicht verschwinden mag.

Mein Fazit:
So sehr ich mich auch auf “Underground Love” gefreut habe, desto größer war meine Enttäuschung. Trotz negativer Stimmen und Kritiken bin ich optimistisch an diese Geschichte herangegangen, da es immer wieder vorkommt, dass mein Lesegeschmack sich von der Masse abhebt. Leider nicht in diesem Fall. Denn bei diesem Buch gibt es, außer ein süßes Cover, das leider nicht wirklich zum Inhalt passt, nichts, was ich guten Gewissens weiter empfehlen kann. Eine interessante Grundidee wurde für mich ungenügend umgesetzt und es fehlte an allen Ecken und Enden. Sehr schade, denn ich habe mehr, sehr viel mehr erwartet. Aufgrund der Verherrlichung der oben genannten Themen ist es mir persönlich auch nicht möglich, dieser Idee mehr Gewicht als der Umsetzung zu verleihen, da dass in meinen Augen – in heutigen Zeiten – einfach falsch ist.

Ich habe mich gefragt, ob es vielleicht die Intension der Autorin war den Leser zu schocken. Ihn aus seiner Komfortzone zu holen und mit dieser überspitzten Aufzeichnung von Geschehnissen die Augen zu öffnen oder zum Nachdenken anzuregen. Aber um dieser Theorie zu folgen, hätte ich von K.A. McKeagney ein Nachwort oder ähnliches gebraucht, in dem Sie einige Szenen, Handlungen oder Ähnliches gerade gerückt hätte. Eine Abgrenzung zwischen Fiktion und Realität gezogen hätte oder in irgendeiner Weise Stellung bezogen hätte. Leider war nichts davon der Fall, weswegen ich dieses Buch unter größtem Flop in meiner Lesegeschichte ablegen werde. Schade.

 

Facts:
Autorin:   K.A. McKeagney
Verlag:     Piper Verlag
Format:   eBook / Print
Preis:        8,99€ / 10,00€
Seiten:      352

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