#Bloggeraktion Stunde der Entscheidung (Barbara) – Der Kinderzug von Michaela Küpper

Um eine Entscheidung fällen zu können, muss man sich erst mal auf den Weg der Entscheidungsfindung begeben. Das Ganze funktioniert in der Regel über den Entscheidungsprozess. Oftmals läuft dieser Prozess in unserem Unterbewusstsein ab. D. h. wir bekommen gar nicht wirklich mit, dass wir diesen Prozess durchlaufen, sondern treffen einfach eine Entscheidung.

Zum Beispiel wenn es darum geht, dass wir aufs Klo müssen. Wir überlegen uns in der Regel nicht, wie wir auf der Toilette uns entkleiden, sondern tun es einfach. Dabei ist dein maßgeblicher innerer Antreiber die Dringlichkeit, ob es schnell gehen muss oder ob man genug Zeit hat. Dennoch findet das alles ohne unser aktives Zutun statt. Wenn es aber darum geht, zu entscheiden was zu Mittag gegessen werden soll, dann durchlaufen wir einen bewussten Entscheidungsprozess. Wir überlegen auf was wir Lust haben oder ob wir ggf. einkaufen gehen müssen, wie viel Zeit wir aufbringen wollen oder wie viel zeitlichen Spielraum wir überhaupt haben. Das sind nur ein paar der Faktoren, die wir gegeneinander abwägen, um schlussendlich die Entscheidung zu treffen, was wir an diesem Tag kochen bzw. essen werden.

Wenn wir unser Leben und unseren Alltag betrachten, können wir feststellen, dass wir immer wieder oder an manchen Tagen sogar ständig, dazu gezwungen werden Entscheidungen zu treffen. Es gibt kleinere und größere, bewusste und unbewusste, nur für einen selber geltende oder auch andere mit einbeziehende Entscheidungen. Und dann gibt es die Entscheidungen, die nicht nur einen selber oder die Menschen in der näheren Umgebung betreffen, sondern die ein viel größeres Ausmaß nach sich ziehen können. Es gibt diese Arten von Entscheidungen, mit denen man eine Stellung bezieht und sich gegenüber anderen positioniert. Sei es gegenüber einzelner Menschen, gegenüber Menschengruppen oder vielleicht auch gegen eine ganze Nation und/oder deren Ideologie.

Das ist auch der Anknüpfungspunkt für diesen Beitrag. Die Rufe nach Leuten, die sich “dagegen stellen” werden lauter. Sie waren in der Vergangenheit genauso präsent, wie sie es heute sind oder in der Zukunft sein werden. Denken wir an die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges, den aktuellen Kämpfen im Nahen Osten oder auch an alle anderen Vergangenen und aktuell stattfindenden Gräueltaten auf dieser ganzen Welt. Aber auch Dinge, wie der Klimaschutz und andere Problematiken können auf diese Ebene gehoben werden. Immer wieder kommt doch die Frage auf, wieso so viele Menschen immer “mitlaufen” oder sich so leicht von einer Ideologie oder einem Glauben überzeugen lassen. Im Prinzip geht es immer wieder um die Frage:

Wieso bringt kaum einer den Mut auf um einer Bewegung entgegen zu treten und zu sagen: “Nein, das will ich nicht.”?

Meiner Meinung nach gibt es vielschichtige die Gründe, die meist im Entscheidungsprozess anzusiedeln sind. Jeder Mensch besitzt einen natürlichen Überlebenswillen, dass ihn schlussendlich auch dazu bringt in einigen Situationen zu entscheiden, lieber mit dem Strom zu schwimmen, als dagegen. Auffallen ist leider nicht immer eine Option. Ich glaube zwar nicht, dass dies in den meisten Fällen der “beste” Weg ist und würde im Moment sagen, ich würde das nie tun, aber ich war bisher auch in keiner vergleichbaren Situation. Es ist in meinen Augen unmöglich, abzusehen, wie die eigene Entscheidung letztendlich ausfallen würde. Ob ich den Mut aufbringen würde, meinen Weg zu gehen oder ob ich meine sowie die Sicherheit meiner Familie über alles stellen würde? Keiner weiß, für was er sich entscheiden würde, wenn die Konsequenzen Gewalt oder der eigene Tod sein könnte.

Dagegen gibt es für mich keine Entschuldigung für die Menschen, die sich bewusst für die Gräueltaten entschieden haben oder entscheiden. Und in meinen Augen ist es bereits eine bewusste Entscheidung dafür, wenn man jemanden folgt der für Gewalt, Schmerz und Leid steht. Hinzu zähle ich neben Folgen auch das Glorifizieren der Personen oder das Verharmlosen der Taten desjenigen. Im Vergleich dazu habe ich den größten Respekt vor Menschen, die den Mut aufbringen, für ihre Meinung und Überzeugung einzugestehen. Damals, wie heute, ist es wichtig, eine eigene Meinung zu besitzen und diese auch zu vertreten. Wir sehen aber auch in der heutigen Zeit, wie schwer es ist, sich gegen die Allgemeinheit zu stellen. Dabei meine ich nicht nur die hiesige Politik, bei der es meiner Meinung nach erschreckende Entwicklungen gibt, sondern ein Blick in die weite Welt reicht aus. Amerika, Naher Osten, Russland, China um nur ein paar Beispiele aufzuzählen.

Man könnte meinen, die Menschheit hätte aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt, aber man merkt, dass immer wieder die gleichen Muster auftreten und sich wiederholen. Sei es gesellschaftlich, politisch oder in ganz vielen anderen Bereichen. Daher finde es umso wichtiger, dass es Autorinnen und Autoren, wie Michaela Küpper gibt, denen es gelingt, genau diesen Zwiespalt in ihren Büchern wiederzugeben und den Leser dazu anregen nachzudenken, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen. Die einen zeigen „Hey, in so einer Spirale steckten wir schon einmal und das waren die Konsequenzen! “.

Natürlich ist es etwas anderes, eine Geschichte zu lesen oder selbst betroffen zu sein, aber es schadet nie sich ein Mal folgende Fragen zu stellen:

  • Wie würde ich in dieser Situation reagieren?
  • Welche Fragen würden mich herumtreiben?
  • Was wären für mich Auslöser, welche Entscheidung zu treffen?

Denn Barbara ist eine junge Lehrerin, die eigentlich keine Berührungspunkte mit dem NS Regime hat, sondern einfach nur das Beste für die Mädels will, die sie unterrichtet. Aber ist es wirklich möglich, das Drumherum auszublenden und einfach mit zu schwimmen? Ist es verwerflich, seinen Weg zu gehen mit der Prämisse das Wohlergehen der Kinder?
Denn irgendwann kommt jeder an eine Weggabelung und dann musst du dich entscheiden, aber welchen Weg wirst du wählen?

Die Autorin hat mit ihrem Buch „Die Kinderlandverschickung“ einen Aspekt des Zweiten Weltkrieges aufgegriffen, der für mich bisher eher eine Grauzone war. Mit einer realistischen Schilderung und einer Protagonistin, die so den „Durchschnittsbürger“ präsentiert, gelingt es, Michaela Küpper den Leser in genau diese Position zu bringen.Wird es Barbara gelingen ihre Idee umzusetzen und ihren Plan zu verfolgen?

Findet es unbedingt heraus, denn dieses Buch von Michaela Küpper ist berührend, erschütternd und regt einen zum Nachdenken an. Die Autorin spielt in Perfektion mit unterschiedlichen Sichtweisen und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die einen sprachlos und gleichzeitig mit einem Kopf voller Gedanken zurücklässt. Mit einem Schreibstil, der für die Zeit passend und dennoch sehr gut verständlich ist, vermittelt einem Michaela Küpper nicht nur Wissen, sondern gibt einem gleichzeitig einen Einblick in die Gefühlswelt unterschiedlicher Charaktere. … Mehr.

Barbaras spontan Erleichterung darüber, die Verantwortung nun endlich abgeben zu können, verwob sich auf unheilvolle Weise mit dem Grauen, […. ] Doch für eines war es nicht zu spät, und dieser Gedanke hatte sich in Barbara festgesetzt wie eine fixe Idee: Sie hatte die Mädchen heil nach Hause bringen wollen. Nur würde sie diese Aufgabe anderen überlassen müssen. Personen, deren Motivation und Einsatzwillen sie nicht kannte.  (aus “Der Kinderzug” von Michaela Küpper)

Wird es Barbara gelingen ihre Idee umzusetzen und ihren Plan zu verfolgen?

Findet es unbedingt heraus, denn dieses Buch von Michaela Küpper ist berührend, erschütternd und regt einen zum Nachdenken an. Die Autorin spielt in Perfektion mit unterschiedlichen Sichtweisen und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die einen sprachlos und gleichzeitig mit einem Kopf voller Gedanken zurücklässt. Mit einem Schreibstil, der für die Zeit passend und dennoch sehr gut verständlich ist, vermittelt einem Michaela Küpper nicht nur Wissen, sondern gibt einem gleichzeitig einen Einblick in die Gefühlswelt unterschiedlicher Charaktere. … Mehr.

Facts:
Autorin: Michaela Küpper
Verlag:   Droemer
Format:  eBook / Hardcover
Preis:      14,99€ / 19,99€
Seiten:

Mehr Infos.

Michaela Küppers aufwühlender Roman über ein Frauen-Schicksal im Dritten Reich vor dem Hintergrund der sogenannten Kinderlandverschickung
Das Ruhrgebiet im Sommer 1943. Die junge Lehrerin Barbara soll eine Gruppe Mädchen im Rahmen der sogenannten Kinderlandverschickung begleiten. Angst, aber auch gespannte Unruhe beherrschen die Gedanken der Kinder, denn sie wissen nicht, was sie erwartet. Das Heim, das ihr zeitweiliges Zuhause werden soll, erweist sich zunächst als angenehme Überraschung, doch dann muss dieses geräumt werden.
Es beginnt eine Odyssee, die nicht nur die Kinder, sondern auch Barbara an ihre Grenzen führt, denn mehr und mehr wird sie, die sich bisher aus der Politik herauszuhalten versucht hat, mit den grausamen Methoden und Plänen der Nationalsozialisten konfrontiert – und mit Menschen, die für ihre Ideologie vor nichts zurückschrecken.
Als schließlich ein Mädchen verschwindet und ein polnischer Zwangsarbeiter verdächtigt wird, kommt für die Lehrerin die Stunde der Entscheidung.
Ein Roman über die Frage: Wie konnte man, konnte eine Frau unter dem verbrecherischen System des Nationalsozialismus anständig bleiben?

Quelle: Droemer Knaur Verlagsgruppe

 

Weitere interessante Beiträge rund um das Buch “Der Kinderzug” von Michaela Küpper aus dem Droemer Verlag findet ihr in der Übersicht.

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