Ostpreußen 1945 | Bernsteintränen von Izabelle Jardin

Ostpreußen gehörte von 1871 bis 1945 zum östlichen Landesteil Deutschlands. Zumindest zum größten Teil, denn aufgrund seiner Lage, geriet es während der Kriege immer wieder zwischen die Fronten. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damals geschlossenen Versaillervertrag wurde aus dem angrenzenden Ostpreußen eine Exklave.


Quelle: User:52 PickupBased on map data of the IEG-Maps project (Andreas Kunz, B. Johnen and Joachim Robert Moeschl: University of Mainz) – http://www.ieg-maps.uni-mainz.de. Weiterverbreitung)
Ostpreußen in Rot bis zum Ende des 1. Weltkrieges


(Quelle: Tallicfan20Eigenes Werk. Mehr )
Ostpreußen nach Abschluss des Versaillervertrags.

Da ein Teil Westpreußens vom Deutschen Reich abgetrennt wurde, ergab sich, dass zwischen dem Deutschen Reich und Ostpreußen ein ca. 30 bis 90 km breiter Landstreifen existierte, der der polnischen Bevölkerung den Zugang zur Ostsee ermöglichte.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Ostpreußen erneut eine größere Rolle zugeschrieben, denn die Provinz diente Hitler lange Zeit als Befehlszentrale für seine Ostfeldzüge. Das sehr bekannte “Führerhauptquartier Wolfsschanze” wurde bis Ende 1944 durch Hitler genutzt, um seine Truppen zu dirigieren.

Wer die geographische Lage Ostpreußens genauer betrachtet wird erkennen, dass der Weg von Ostpreußen ins heutige Deutschland relativ weit ist, wenn man bedenkt, dass damals keiner ein Auto in der Garage oder ein Pferd zur Verfügung hatte. Dazu kam, dass der Winter, mit seinen bis zu minus 30 Grad Celsius, sehr hart und menschenlebenfordernd war.

Im Oktober 1944 erreicht die Rote Armee die damalige deutsche Ostgrenze, konnte jedoch noch in Schach gehalten werden, bevor sie 1945 Ostpreußen überrollte. Zunächst weigerte sich der Staarsapperat, die Bewohner Ostpreußens zu evakuieren. Der damalige Gauleiter rief schwere Strafen für die flüchtende Bevölkerung aus. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen wie du und ich, Frauen und Kinder, Alte und Kranke, genau wie die Soldaten, verheizt wurden. Ganz nach dem Motto “bis zum letzten Mann”. Die Evakuierung wurde daher erst im Januar 1945 angestoßen und ging aufgrund des Kriegsgetümmels nicht geordnet vonstatten. Obwohl von den ca 2,6 Mio. Einwohner letztendlich um die 1,4 Mio. versuchten zu fliehen, fanden ca 311.000 Menschen auf dieser Flucht den Tod. Die widrigen Bedingungen, aber auch die Minen, sowie die Gefechte des Krieges sorgten dafür, dass viele Flüchtlinge ihr Ziel nie erreichten.

Zunächst, wurde versucht mit Pferdefuhrwerken über den Landweg zu fliehen, doch nachdem dieser von der sowjetischen Union abgeschnitten wurden, wählten viele die Flucht über das Eis wagten und somit zur offenen Zielscheibe wurden. Besonders ist die „Unternehmung Hannibal“ in die Geschichtsbücher eingegangen, da sie als der Startschuss der Evakuierung auf dem Seeweg bezeichnet werden kann. Es wurden nicht nur Marineangehörige auf den Schiffen mitgenommen, sondern auch tausende Flüchtlinge.

“… Wir hatten munkeln hören, dass Admiral Dönitz die “Operation Hannibal” befehlen würde, die sowohl die fliehenden Zivilisten aus den nördlichen Gebieten Ostpreußens retten sollte als auch die Verschiffung der im Rückzug begriffenen Truppenteile und der vielen Verwundeten gen Westen zum Ziel hatte. Aber ob unsere Familie die Küste überhaupt erreicht hat?  …”

Quelle: Bernsteintränen von Izabelle Jarding, S. 277; Ullstein Verlag

Nach Kriegsende am 2. September 1945 wurde das Ende von Ostpreußen offiziell bekannt gegeben und die ehemalige deutsche Provinz aufgeteilt. Das nördliche Gebiet wurde der Verwaltung der Sowjetunion zugeschrieben, wohin gegen der südlich Teil der Verwaltung durch Polen zugeteilt wurde. Eine offizielle Anerkennung der Grenzen erfolgte durch die ehemalige DDR im Jahre 1950 und durch die BRD 1972, bzw. 1990.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Provinz Ostpreußen und vor allem seine Bevölkerung ein tragisches Schicksal erlitten hatten. Nicht nur der Verlust der geliebten Menschen musste verkraftet werden, sondern gleichzeitig der Verlust der Heimat und allen Besitztümern. Familien, Liebende, Freunde und so viel mehr wurden auseinandergerissen. Fanden sich vielleicht nie wieder und mussten bis an ihre Lebensende mit der Ungewissheit leben, was aus den Menschen, die einem einst viel bedeuteten, geworden ist.

Genau dieses Schicksal greift auch Izabelle Jardin in ihrem Buch “Bernsteintränen” auf. Ihr gelingt es den Leser auf eine emotionale, atemberaubende und herzerwärmende Reise in das damalige Ostpreußen und das heutige Polen mitzunehmen. Sie zeigt dem Leser eindrucksvoll, dass niemand die Geschichte sowie das Schicksal der Menschen vergessen sollte und das uns mehr verbindet, als man glauben mag.

Mit faszinierender Leichtigkeit, gelingt es, Izabelle Jardin den Leser in eine Zeit zu entführen, die von Schrecken und Gewalt geprägt ist. Wir lernen Charaktere kennen, deren Leben zersplittert wurde und die täglich ums Überleben kämpfen mussten, aber eins nicht verloren: ihren Glauben an die Liebe. Gleichzeitig ist da diese einzigartige Verbindung mit der Gegenwart. Denn parallel begleiten wir eine junge Frau auf dem Weg zu sich selbst. Ist das Leben, dass du im Moment führst, wirklich das, was du willst oder versteckst du dich aus Angst vor tiefen Gefühlen hinter dem, was du selber in der Hand zu haben scheinst? Bist du bereit für das zu kämpfen, vor dem du jahrelang geflohen bist?
Eine spannende Reise beginnt. Zu sich selbst, aber auch in die Geschichte einer jungen Frau und eines Mannes, deren Liebe sie ewig zu verbinden scheint…
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Facts:

Autorin: Izabelle Jardin
Verlag:   Ullstein
Format:  Print
Preis:      10,00€
Reihe:     nein

Mehr Infos

Ostpreußen, 1945: In den Wirren der letzten Kriegstage flieht die zwanzigjährige Elisabeth vom Gut ihrer Eltern. Ob sie ihre Familie je wiedersehen wird, weiß sie nicht. Auch ihre große Liebe muss sie zurücklassen.

Berlin, 2005: Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr hatte sich Nicola eigentlich anders vorgestellt. Gerade erst hat sie sich von ihrem Freund getrennt, da schickt sie ihr Chef auf Dienstreise nach Polen. Nach einer Autopanne nimmt sie der Landarzt Marcin bei sich auf, der ganz in der Nähe des alten Gutshofes wohnt,
den Nicola für ihre Firma besichtigen soll. Marcin weckt in ihr völlig ungeahnte Gefühle, und auch das alte Haus lässt sie schon bald nicht mehr los. Sie taucht ein in die Geschichte seiner früheren Bewohner.

Quelle: Ullstein Verlag

 

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Quellenangaben:
https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/geschichte_preussens/pwieostpreussenderuntergangeinerdeutschenprovinz100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fische_Operation_(1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fen
https://www.spiegel.de/geschichte/2-weltkrieg-flucht-aus-ostpreussen-1945-a-1013898.html
https://www.dhm.de/lemo/zeitzeugen/werner-viehs-fluechtlingsdrama-und-kaempfe-in-ostpreussen-1945.html

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