sexueller Missbrauch – Wieso zeigen die Opfer ihre Täter nicht an?

Huhu ihr Lieben,

ich hoffe, dass auch beim dritten “ernsteren” Thema dieser Party der eine oder andere vorbei schaut. Das es in der Ain’t nobody Dilogie unter anderem auch um Missbrauch geht, haben Anastasia und ich uns gedacht, wir wollen uns dem Thema stellen, wieviel Missbrauch angezeigt wird und wieso die Dunkelziffer so hoch ist…

Im Strafgesetzbuch (StGB) beschäfitgen sich die §§ 173 – 184c StGB und einige mehr mit dem Thema sexuellem Missbrauch in unterschiedlichen Facetten. So normiert als Beispiel der § 177 StGB, was unter sexueller Nötigung/ Vergewaltigung zu verstehen ist.

Zunächst habe ich euch aber einmal die Statistik des BKA im Gepäck (zumindest in Auszügen):

und…

Quelle: BKA – Statistische Informationen zu ausgewählten Straftaten/-gruppen in der Bundesrepublik und in den Bundesländern sowie deren Hauptstädte 
Hier findet ihr auch die Statistiken spezifisch für das jeweilige Bundesland.

Schaut man sich nun die Bevölkerungszahl, die gemeldeten Fälle und die Aufklärungen an, könnte man im ersten Moment denken, die Quoten sind ja gar nicht so schlecht, aber das Problem ist, dass die Dunkelziffer und die nicht angezeigten Fälle einfach viel zu hoch ist.

Daher die Frage, wieso zeigen Opfer ihre Täter nicht an?!

Im folgenden werdet ihr hauptsächlich meine persönliche Meinung wiederfinden, denn es gibt natürlich wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema, aber auch hier ist die Frage, wieviel der missbrauchten Menschen öffnen sich für solche Studien?! Man wird es vermutlich nie genau herausfinden…

  • Beweislast – Ja in Deutschland heisst es “In dubio pro reo” was lateinsicht ist und übersetzt bedeutet “im Zweifel für den Angeklagten”. Im Prinzip finde ich – persönlich – dieses Rechtssystem nicht schlecht. Aber es hat genauso Vor- und Nachteile, wie sein Pendant als Bsp. in Amerika. Dennoch ist es oft schwer einen sexuellen Missbrauch nachzuweisen. Sexuelle Nötigung/Missbrauch beginnt nicht erst mit dem Beischlaf an sich, sondern kann bereits viel früher einsetzen. Unsittliche Berührungen. Ständige Sprüche, die unter die Gürtellinie gehen sind nur zwei Beispiele davon. Bereits das kann Menschen psychisch fertig machen und ist definitiv nicht zu unterschätzen, aber zu beweisen – sehr schwer. Im Zweifel steht es Aussage gegen Aussage und dann zieht man als Opfer i. d. R. den Kürzeren. Denn eine Strafverfolgung ist ohne Beweise nicht möglich. Aber auch bei einem sexuellen Missbrauch im Sinne von Beischlaf, Oralverkehr oder einer ähnlichen Form ist es schwierig diesen zu beweisen. Denn um genetisches Material sichern zu können muss das Opfer umgehend zum Arzt, sich outen und untersuchen lassenn und damit wären wir beim nächsten Grund.aus Ain’t nobody – Befreie Mich von Anastasia Donavan
  • Scham – Ja, ich bin der Meinung, dass dieser Punkt ein sehr großer ist. Wenn man sich einmal überlegt, wie ein Verhör bei einem einfachen Diebstahl oder Autounfall von statten geht, bekommt man eine Ahnung davon, was einem Opfer abverlangt wird. Nicht nur die Beschreibung des Täters, wenn möglich, sondern die detailreiche Schilderung der Tat, die Fragen, die einem die Beamten stellen usw. Die ärztlichen Untersuchungen, die ebenfalls durch Fragen begleitet werden und dann (sollte es überhaupt soweit kommen) die Verhandlung an sich. Die Tat zu erleben ist erniedrigend, schmerzend und (ich behaupte) psychisch zerstörend. Doch durch den ganzen Verlauf einer Anzeige und den angehängten Rattenschwanz durchlebt man das Martyrium immer und immer wieder. Natürlich mit dem richtigen Halt, kann man alles schaffen, aber hat den jeder?! aus Ain’t nobody – Befreie Mich von Anastasia Donavan.
  • Falschaussagen – auch wenn (lt. einigen Berichten) die Zahl der Falschausagen marginal ist, so schwebt es doch oftmals im Hintergrund mit. Denn ich denke, dass viele Missbrauchopfer denken “Man glaubt mir sowieso nicht” und genau deswegen denke ich, auch wenn die Anzahl der falschen Beschuldigung gering sein sollte, ist es doch in den Köpfen verankert, dass es das gibt. Dass genau dadurch, echte “Fälle” nicht ernst genommen werden und daher find ich es umso schlimmer, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die sich als Opfer sexueller Gewalt darstellen nur um sich an jemanden zu rächen.

 

  • Schuldzuweisung/bedingungslose Liebe/Loyalität – Denkt ihr nun “häh, was will sie uns damit sagen?”, ja so dachte ich auch mal – vor langer Zeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass sehr viele Opfer die Schuld bei sich suchen. Ein Blick auf die häusliche Gewalt bestätigt mir dieses, denkt man als Beispiel daran, wieviele sich immer wieder einreden, dass sie die Schläge verdient haben, weil sie eine Erwartung nicht erfüllten. Oftmals ist es die eigene Hilflosigkeit oder ein Ohnmachtsgefühl, was den Betroffenen dazu treibt die Schuld bei sich zu suchen. Es ist auch irgendwie ein “erleichtern” oder eher “erklären” der Situation. Das Thema bedingungslose Liebe und Loyalität trifft meiner Meinung nach vor allem bei Kindern zu. Kinder die geboren werden lieben ihre Eltern oder Schutzbefohlnen ersteinmal bedingungslos. Genau diese Liebe/Loyalität wird in meinen Augen ausgenutzt. Denn oftmals äußern sich missbrauchte Kinder erst im Erwachsenenalter zu früheren Vorfällen. Einige öffnen sich jedoch nie.Es gibt, denke ich, noch viel mehr Gründe, wieso Opfer die Täter nicht anzeigen und es ist wirklich erschreckend, wieviele Menschen mit sexueller Gewalt in Berühung kommen. Angefangen bei sexueller Nötigung bishin zum Missbrauchsakt an sich. Daher ist es meiner Meinung nach umso wichtiger, dass wir in der heutigen Gesellschaft mit offenen Augen durch die Welt gehen. Nichts abtun und lieber einmal mehr hinsehen, als wegzusehen.Zum Schluss, habe ich euch ein paar Artikel angehängt, die ich so beim stöbern im Internet gefunden habe. Unter anderem auch ein Hilfsportal des Bundes…
  • Hilfeportal Sexueller Missbrauch (in Partnerarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
  • “Selbst schuld” – am seuellen Misstbrauch? (Medizin im Text)
  • psychische Folgen von sexuellem Missbrauch
  • Missbrauch (mein eigener Beitrag zum Thema bei der Blogtour zu Ain’t nobody – halte mich: hier findet ihr weitere Beiträge zum Thema)

Ich möchte Anzeige erstatten, nur wie?!
Verdachtsfall und Anzeigepflicht – eine Übersicht des Arbeitsstab des Unabhänigegen Beauftragen für Fragen des sexuellen missbrauchs.

Hier bekommt ihr eine Übersicht und weitere Infos dazu.

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