Sozialstunden als Strafe?

Huhu meine Lieben,

gestern habt ihr bei Passion4Books ein bisschen was über “Patchwork und Quilten” erfahren und heute fragen wir uns, sind Sozialstunden eine Strafe und können sie wirklich helfen?!

Zunächst stellte ich mir die Frage, was sind Sozialstunden überhaupt?

Ganz allgemein gesagt, sind es gemeinnützige Aufgaben, die der Verurteilte unentgeltlich zu erfüllen hat. Aber was steckt wirklich dahinter…

Wer mir vielleicht schon länger folgt weiß, dass ich neben der Arbeit Wirtschaftsrecht studiere. Also habe ich mich mal in unserer Universitätsbibliothek umgeschaut.

Gemäß §13 JGG (Jugendgerichtsgesetz) gilt:

(1) Der Richter ahndet die Straftat mit Zuchtmitteln, wenn Jugendstrafe nicht geboten ist, dem Jugendlichen aber eindringlich zum Bewußtsein gebracht werden muß, daß er für das von ihm begangene Unrecht einzustehen hat.
(2) Zuchtmittel sind

1. die Verwarnung,
2. die Erteilung von Auflagen,
3. der Jugendarrest.
(3) Zuchtmittel haben nicht die Rechtswirkungen einer Strafe.

Man muss bedenken, dass das erste Jugendgerichtsgesetz aus dem Jahr 1923 stammt. Daher auch der Begriff Zuchtmittel. Er ist geprägt durch die Begrifflichkeiten “Zucht und Ordnung” aus dem Nationalsozialismus. Wen es interessiert, dem empfehle ich mal das Ursprungsgesetz aus 1923 mit dem heutigen zu vergleichen. Ihr werdet feststellen, dass es wahnsinnig viele Parallelen gibt.
(Quelle: Prof. Dr. Heinrich Uni Tübingen, 2005)

Sozialstunden fallen unter den Punkt “Erteilung von Auflagen” (siehe § 13 Absatz 2 Nummer 2 JGG). Deutlicher wird das ganze bei §15 Abs. 1 JGG.:

(1) Der Richter kann dem Jugendlichen auferlegen,
1.nach Kräften den durch die Tat verursachten Schaden wiedergutzumachen,
2.sich persönlich bei dem Verletzten zu entschuldigen,
3.Arbeitsleistungen zu erbringen oder
4.einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung zu zahlen.

Dabei dürfen an den Jugendlichen keine unzumutbaren Anforderungen gestellt werden.

Es gibt verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten der “Auflagen”. Ich will euch aber nicht mit noch mehr juristischen Fachsimpeleien vollquasseln. Die Zuchtmittel liegen eigentlich irgendwo zwischen der Jugendstrafe (hier sind Freiheits- oder Geldstrafen gemeint) und den Erziehungsmaßregeln, die, wie der Name schon sagt, einen reinen Erziehungscharakter haben. (Quelle: https://www.koerperverletzung.com/zuchtmittel/)
 
(Bildquelle: Pixabay, Zitat aus “Solange deine Schatten flüstern von Britta Orlowski)

Auch wenn Ben weiß, dass er noch “glimpflich” davon gekommen ist, lösen die Sozialstunden in ihm etwas aus. Genau das ist es, meiner Meinung nach, was sich auch das Gesetz und somit die Richter, bzw. der Staat erhoffen.

Die Sozialstunden haben für mich ganz klar einen Erziehungscharakter und sollen zusätzlich einen resozialisierenden Effekt haben. Wieso?!
Betrachten wir wer in der Regel straffällig wird, so sind wiederkehrende Muster zu erkennen: problematische Elternhäuser, falsche Freunde, schlimme Erfahrungen usw.
Aber sind das Entschuldigungen? Ganz klar NEIN. Dennoch finde ich es grundsätzlich gut und vor allem auch wichtig, dass es diese Art der “Bestrafung” gibt. Der Sinn ist es ja, den Jugendlichen eine Chance zu geben ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und auf die “rechte Bahn” zurück zu kehren.

Denn im Gegensatz zu den Jugendstrafen werden die Sozialstunden nicht in das Bundeszentralregister eingetragen und tauchen auch in keinem Führungszeugnis auf. Sie werden lediglich im Erziehungsregister gespeichert.
(gem. §60 Abs.1 Nr. 2 BZRG (Bundeszentralregistergesetz) ).
Gelöscht werden diese Einträge mit dem 24. Lebensjahr, außer es sollten bis dahin weitere Einträge im Bundszentralregister (Bsp. Freiheitsstrafen, Jugendstrafen, etc.) erfolgt sein. Das ganze erfolgt gem. § 63 BZRG.

Demzufolge kann man Sozialstunden als “mildere Strafe” bezeichnen. Denn dem Jugendlichen wird dadurch nicht der Weg in eine bessere Zukunft verbaut. Sind wir ehrlich, mit einem Eintrag im Bundeszentralregister sieht es in der heutigen Zeit doch eher schwarz aus. Viele Firmen verlangen mittlerweile ein polizeiliches Führungszeugnis in dem bestimmte Einträge des Bundeszentralregisters aufgeführt werden. Aus diesem Grund finde ich die Idee hinter den Sozialstunden echt nicht schlecht und denke mit einer kompetenten Begleitung in Form eines Bewährungshelfers, aber auch Ansprechpartnern an dem Ort an dem man die Sozialstunden ableistet, kann dieses System funktionieren. Ein Problem aus meiner Sicht ist jedoch, dass genau diese Kombinationen nicht immer gegeben sind. Außerdem sollte uns klar sein, dass wir nicht jedem helfen oder “retten” können. Denn wir müssen uns vor Augen führen, dass auch der Verurteilte selbst erkennen muss, dass Sozialstunden eine Art Chance für ihn sind sein Leben in den Griff zu bekommen. Ist dies nicht der Fall, werden die Sozialstunden ihr Ziel in meinen Augen in der Regel nicht erreichen.

Hier noch ein passender Schnipsel für euch:


(Bildquelle: Pixabay, Zitat aus “Solange deine Schatten flüstern” von Britta Orlowski)

Was wird mit Ben passieren? Wird es Konsequenzen geben und was hat er überhaupt angestellt?
Das solltet ihr UNBEDINGT herausfinden, indem ihr dieses tolle Buch lest.

Zum Abschluss habe ich noch eine kleine Statistik aus dem Jahr 2015 für euch.
Im Jahr 2015 wurden gegen 47.898 nach Jugendstrafrecht Verurteilten Zuchtmittel ausgesprochen. (Insgesamt Zuchtmittel in Höhe von 67.751, da diese auch unter gewissen Voraussetzungen kombinierbar sind.)
Insgesamt Verurteilte in 2015: 65.342.
Das ergibt eine “Zuchtmittel”-Quote von rund 73%. Der Großteil hiervon entfällt auf die Auflagen (zum Beispiel Sozialstunden) mit einer Höhe von 56%. Der Rest teilt sich zu 27% auf die Verwarnungen und zu 17% auf den Jugendarrest auf.
(Quelle: https://www.koerperverletzung.com/zuchtmittel/ und Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2017)

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Fatcs:
Autorin: Britta Orlowski
Verlag:   Verlagshaus El Gato
Format: eBook / Taschenbuch
Preis:     4,99€ / 13,90€
Seiten:   304
Reihe:    nein

Ben, dorfbekannter Bad Boy, verliert sich immer mehr in Alkohol und Gewalt. Als der Richter ihm Sozialstunden auf einem Schäfereihof aufbrummt, spielt Ben mit dem Gedanken, einfach abzuhauen. Doch dann trifft er auf die 17-jährige Lavinia. Ben wird aus dem seltsamen Mädchen nicht schlau. Sie liebt es, sich im Stall und auf der Weide zu verkriechen, versteckt ihr Gesicht hinter einer riesigen Brille und beschäftigt sich ausgerechnet mit Handarbeiten. Ihr Hobby weckt ungewollte Erinnerungen in Ben: an das Patchwork und Quilten seiner Mutter – und an eine längst vergangene Zeit, in der er die
Sommerwärme noch spüren konnte.
“In Filmen hatte Ben schon unzählige Male gesehen, wie jemand stirbt. Aber in Wirklichkeit war es ganz anders, jemandem beim Sterben zusehen zu müssen.

Quelle: Verlagshaus El Gato, “Solange deine Schatten flüstern” von Britta Orlowski
Mehr dazu erfahrt ihr bei Amazon oder dem Verlag selber.

Natürlich habe ich euch einen kleinen Ausschnitt aus meiner Meinung mitgebracht…

“Ein Urteil lässt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurteil” von Marie von Ebner – Eschenbach.

“Solange deine Schatten flüstern” von Britta Orlowski ist eine Geschichte über zweite Chancen, Verurteilungen und Vorurteile. Aber gleichzeitig auch übers ankommen, Familie, Freunde und den Mut sich seinen Schatten zu stellen. Das Ganze verpackt die Autorin in einer berührenden und sehr authentischen Geschichte, die  für mich genau so in unserer Welt statt finden könnte. Denn ich bin davon überzeugt, dass das Schicksal von Ben kein seltenes ist, auch wenn die Hintergründe andere sein mögen.

Ihr wollt noch mehr erfahren?

Dann  schaut auch unbedingt bei meinen Mitbloggern vorbei. Daher einmal für euch den gesamten Tourfahrplan. Morgen geht es dann bei Bücherfansite mit einem Interview mit der Autorin Britta Orlowski weiter. Viel Spaß <3

Gewinnspielfrage

Was denkt ihr, sind Sozialstunden eine Strafe oder eher nicht?

Bewerbungsmöglichkeit vom 11. Juni 2018 bis einschließlich 17. Juni 2018 möglich

Am 18.06.2018 wird der Gewinner HIER bekannt gegeben.

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Gewinne

  1. Preis: eine Jeanstasche (selbstgenäht) + 1x Solange die Schatten flüstern in Print
  2. Preis: eine Krimskramtasche aus Jeansstoff (selbstgenäht)
  3. Preis: ein T-Shirt passend zum Buch (Größe M oder L nach Wahl)

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Teilnahmebedingungen

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euer Einverständnis mit den  Teilnahmebedingungen.
Dieses Gewinnspiel wir von der Netzwerk Agentur Bookmark organisiert.

6 Kommentare

  1. Also wenn jemand richtig abgebrüht ist und ne leckarsch Einstellung hat finde ich es sinnlos! Hatte mal einen Partner der nur die Arbeitsstunden gemacht hat weil ich ihn dort hingeschleppt habe und selbst mitgearbeitet habe!
    LG jenny

  2. Halli halli,

    kommt natürlich immer auf das Vergehen an und die Haltung des Täters. Ist er Wiederholungstäter, beratungsresistent!

    An sich finde ich es aber eine zu milde Stafe für fast alles!
    Wenn Jugendliche mal was klauen, was kleines dann ja!

    Liebste Grüße Daniela und einen tollen Abend noch

  3. Hallo und guten Abend,

    nun bei der Strafbemessung sind , die Richter ja frei in ihrer Entscheidung und ich denke mal, sie haben so viel Menschenkenntnis um zu Entscheiden, ob es Sinn macht oder nicht.

    Deshalb möchte ich mir, hier kein Urteil erlauben und überlasse das lieber Menschen, die mehr Ahnung und Erfahrung besitzen als ich in diesen Dingen.

  4. Ein richtig toller Beitrag – da hab ich doch gleich noch was dazugelernt 😉 DANKE dafür.

    Also zu deiner Frage … generell find ich Sozialstunden als Erziehungsmaßnahme ganz ok … so haben die Täter noch die Chance das Beste draus zu machen – und schlauer zu werden *lol* Sofern sie es nutzen.
    In manchen Fällen (je nach Tatbestand) ist dies Sache aber meiner Meinung nach zu harmlos. Da gehören dann schon härtere Strafen her. … aber das ist wie gesagt alles Situationsabhängig.

    Für einige bestimmt als Chance zur Besserung genau das Richtige – für andere leider hoffnunglos.

    LG Bibilotta

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